RECS – Kohle- und Atomstrom umetikettieren leicht gemacht
Posted by Energiesparlampe on Sep 24, 2010
Ökostrom ist günstig, sauber und steht in der Verfügbarkeit dem herkömmlichen Strom inzwischen kaum noch nach. Ein Bild, dem viele Verbraucher gern glauben. Leider zu Unrecht. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Vielmehr handelt es sich um ein Produkt, das hinter den Kulissen den Verbraucher täuschen kann. Wie? Das Zauberwort heißt RECS. Dahinter versteckt sich der englische Begriff Renewable Energy Certificate System als Umschreibung, wie sich herkömmlicher Strom, der aus fossilen Energieträgern oder Atomenergie entsteht, umetikettieren lässt. Es handelt sich um ein Zertifikate-System, das auf einer Entkopplung des Begriffs Öko vom Strom basiert.
Öko und Strom – zwei unterschiedliche Produkte
Was das RECS-System gerade für den umweltbewussten Verbraucher undurchsichtig macht, ist die Aufspaltung des Stroms in zwei unterschiedliche Produkte. Auf der einen Seite steht der tatsächlich produzierte Strom. Auf der anderen Seite steht der Begriff Öko in Ökostrom, dem ein ideeller Wert beigemessen wird. Dieser ideelle Wert ist bares Geld wert. Schließlich ist Ökostrom für Verbraucher in zunehmendem Maß eine „Kaufentscheidung“. Beim RECS-System wird genau dieser Teil des Stroms mit einem Zertifikat versehen. Der bislang ideelle Wert wird plötzlich real und ist bares Geld wert. Warum? Ganz einfach – mit der Zertifizierung ist das Öko im Ökostrom plötzlich handelbar, ohne das sauberer Strom tatsächlich den Besitzer wechselt.
Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen können sich im RECS-System registrieren. Für jedes Megawatt des erzeugten Stroms wird ein RECS-Zertifikat ausgestellt. Dieses landet in einer Datenbank und kann von Herstellern herkömmlichen Stroms erworben werden. Diese „bekleben“ ihr Produkt, das eigentlich aus Kohle- oder Kernkraftwerken kommt, mit dem neuen Etikett. Und können den Strom anschließend als Ökostrom verkaufen. Im Gegenzug muss der tatsächliche Erzeuger des Ökostroms sein Produkt ebenfalls neu kennzeichnen und in den Augen umweltbewusster Stromkunden abwerten. Am Ende wird mittels RECS Strom einfach und schnell umetikettiert. Strom aus fossilen Energieträgern und Atomkraft erhält auf legalem Weg den Stempel Öko. Und wird für umweltbewusste Verbraucher plötzlich interessant, die vor dem Etikettenwechsel niemals zugegriffen hätten. Allerdings erhalten Stromkunden keinen Ökostrom, sondern herkömmlichen Strom – ein Produkt, das sie eigentlich ablehnen. RECS heißt am Ende nur, dass irgendwo in Europa grüner Strom entstanden ist und der neue Anbieter lediglich das Zertifikat übernommen hat.
RECS – auf lange Sicht Hürde für Ökostrom
Dass das RECS-System den Verbraucher völlig legal in die Irre führt, ist aber nur eine Schattenseite. Schwerer wiegt die Tatsache, dass mit dem Zertifikatehandel die großen Stromkonzerne eine Möglichkeit haben, ihre uninteressanten Produkte aus Atom- und Kohlekraftwerken aufzuwerten und sich neue Zielgruppen erschließen können. Da Strom aus umstrittenen Quellen nach wie vor abgesetzt werden kann, fehlt der Anreiz, erneuerbare Energien weiter zu fördern. Schließlich werfen die bestehenden Kraftwerke nach wie vor Gewinne ab. Am Ende wird das RECS-System zum Hindernis für echten Ökostrom.